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Jeder Mensch möchte sich irgendwie mitteilen - viele Millionen bei facebook - viele tausende in Foren - und ich hier.


Herbst 2009:
Nachdem ich ungefähr 1 Jahr krankgeschrieben war, trat ich dann die Heimreise zu meinen Eltern an.
Mein Akku war leer - ich war einfach nur Müde.
Ich fühlte ich mich als Versager.
Die Heimreise machte ich mit einem alten Opel Astra Kombi.
War aber besser als der alte Opel Corsa A bei der Hinfahrt nach Flensburg vor ca. 3,5 Jahren.
In der Zeit dazwischen hatte ich noch einen alten Ford Sierra und Mazda 626 Coupe.
Die Zeit in Flensburg hatte sich ja dann doch finanziell gelohnt.

Zuhause angekommen -  erst mal nur Ruhe.
Auch mit nunmehr 45 Jahren fühlt man sich bei seinen Eltern wohl.
So sollte es zumindest bei allen Menschen sein.
Die Familie ist alles was wirklich wichtig ist, und wenn man keine eigene Familie hat, dann sind es die Eltern.
Vielleicht bin ich auch ein Muttersöhnchen - keine Ahnung.

Nun mußte ja irgendwo Geld her - also ab zum Arbeitsamt, da ich noch ein paar Monate Anspruch auf Arbeitslosengeld hatte.
Ich dachte: Antrag ausfüllen und fertig.
Allerdings fehlte noch ein Dokument aus Luxenburg, welches Sie unbedingt haben wollten.
Das kam aber ums Verrecken nicht!!!
Permanent wurde ich vertröstet, und meine Mutter steckte mir immer etwas Geld zu, da ich nun kein eigenes mehr hatte.
Das ist echt kein schönes Gefühl, und eigentlich brauchen meine Eltern es selber.

Ich ab um Arbeitsamt um Dampf zu machen.
"Herr Lissat, leider sind die Unterlagen nicht fertig, aber Sie können ja einen Antrag auf Harz 4 stellen."
"Wieso einen Antrag auf Harz 4???"
Gehts noch??????
"Wie lange muss ich bis zur Zahlung warten"?
"So ungefähr 4 Wochen!"  wurde mir gesagt
"Bis dahin bin ich aber verhungert!!!"

Da muss dann irgendwas in meinem Kopf ausgesetzt haben und ich wurde etwas lauter:
"Gute Frau, passen Sie mal auf..."
"Wenn ich Ihnen jetzt mal so richtig eine Haue, dann rufen Ihre Kollegen die Polizei - diese führen mich ab - ich bekomme ein Zimmer (wohl eher Zelle) und ich bekomme etwas zu essen - und das ganze "ohne" Antrag und sofort!"
Im Arbeitsamt in Fritzlar wurde es plötzlich ganz still und es öffnete sich die Tür des Leiters vom Amt.
Es wurde was getuschelt - kurz darauf wurde ich nach oben gebeten...

Wie durch ein Wunder lief plötzlich alles, wie ich es nicht mehr zu träumen gewagt hätte.
Allerdings lag das Arbeitslosengeld dieses Mal bei ungefähr 600 Euro - Autsch... das wird ja immer weniger.
Da ich laut Reha-Bericht keinen LKW mehr fahren soll, ließ man mich auch mit Stellenvorschlägen in Ruhe.

Ab zu meinen Eltern um die freudige Nachicht zu verbreiten.
Ich hatte bummelig einen Anspruch für ca. 6 Monate.
Ich war Reich!!!
Diese Zeit verbrachte ich in einer 2er WG mit einem Polen, der von Frau und Sohn verlassen wurde, Gott sei Dank in der nähe meiner Eltern.
Ich hatte 2 Zimmer - juhu!

Sein ehemaliges Schlafzimmer und das Kinderzimmer vom Sohnemann.
Er wollte beide Zimmer nicht bewohnen um Abstand zu Frau und Sohn zu halten.
Er schlief im Wohnzimmer auf der Couch!

Jedes Wochenende war  der Pole sturzbesoffen und mußte mir sein seelisches Leid mitteilen.
Hatte ich doch selber - brauche ich nicht!!!
Aber unter der Woche war alles Okay.
Das Kinderzimmer hatte ich mir als Arbeitszimmer eingerichtet mit einem Regal an der Wand für die letzten Überlebenden meines DVD-Bestandes aus dem Laden.
Die anderen hatte ich an einen An-und Verkauf verramscht.

Ich muss mal rechnen:
Ich bin nun 45 Jahre, habe 600 Euro Arbeitslosengeld, einen 1 Jahr alten Rechner, einen ollen Opel Astra und ein paar DVDs.
Wer ab Luxenburg mitgerechnet hat, der merkt, das die Zahlen für mich immer kleiner werden.
ich kann schon jetzt versprechen - das wird noch viel weniger für mich!

Nun konnte es los gehen.
Tja - wie eigentlich?
Ich hatte noch nie einen Shop - was muss ich alles beachten???
Da ich in meinem Laden in Flensburg eine Bekanntschaft mit jemandem geschlossen hatte, der privat Onlineshops erstellt, hatte ich einen Gefährten für diese Aufgabe.
Ich nenne Ihn mal Toni.
(es muss ja auch mal jemand in dieser Story einem Namen bekommen)

Toni war ein Freak - kein gelernter Webseitenbauer - oder wie das auch heißen mag.
Wir hatten uns noch in der Endphase meines Ladens mit einem Shopaufbau befasst und die ersten Gehversuche gestartet, waren aber zu keiner guten Lösung gekommen.
Er Harzer König - ich erfolgloser "Geschäftsmann" - ich nenne mich mal so.
"Geschäftsmann" klingt doch gut - "besser als Trucker"
Ich war ja an sich gerne Trucker - doch die Lebesumstände und wie man behandelt wurde, waren nicht Menschenwürdig.
Aktuell war ich aber ein "Arbeitslosenmann".

Toni hatte die Ideen wie ein Shop technisch auszusehen hat - ich hatte die Ideen für das Andere.
Wir haben in dieser Zeit am Tag bestimmt 15 bis 20 Mal telefoniert.
Jede Idee musste besprochen werden - und wir hatten viele ideen - aber keinen echten Plan.
Von daher versteh ich nicht wie man Onlineshops für unter 100 Euro bekommen soll.
Ausserdem wollte ich einen schönen Onlineshop.
Doch Schönheit liegt im Auge des Betrachters.
Dummerweise hat jeder andere Augen.

Irgendwann waren wir uns einig und ich legte los.
Der Shop muss befüllt werden.
Aber ich hatte doch gar keine Filme zum erfassen.
Geld hatte ich auch nicht übrig.

600 Euro Arbeitslosengeld - davon ca. 250 Euro Miete.
Rest von ca. 350 Euro für Essen, Sprit (fürs Auto) und Tabak.
Tabak war der größte Posten - ich mutierte zum Kettenraucher.
Oftmal saß ich bis zu 18 Stunden oder mehr am Rechner - schlief nur sehr wenig.

Rückenschmerzen machten sich breit - Augenflimmern kam dazu - manchmal so stark das ich alles nur noch verschwommen gesehen habe.
Ich sah nur noch Sterne - das kann nicht gesund sein, dachte ich mir.
Die Zeit rannte davon - und ich fühlte mich erbärmlich - so wie immer.
Besessen arbeitete ich weiter.

Da ich ja keinen Filmbestand hatte, mußte ich zu Plan B greifen:
Da ich in Flensburg online einige Händler kennengelert hatte, wurden mir in Kommision immer wieder Titel zur Verfügung gestellt zum erfassen.
Das ist der Vorteil, wenn man korrekt mit anderen Menschen umgeht - man erhält Vertrauen.
Ohne Vertrauen geht im Leben gar nichts.
Ich erfasste mehrere hundert Titel im Shop und in einer Exeltabelle.

Alles ohne Plan - daher wurde alles was ich bisher gemacht hatte immer wieder geändert.
ich weiß nicht mehr wie oft ich die Artikel im Shop überarbeitet habe, oder die Exel neu entworfen habe.
Ich hatte doch davon keine Ahnung.
"Learning by Doing" war die ganze Zeit angesagt.
Ich bin doch nur LKW-Fahrer - was soll das werden???

Ich machte schlapp und ging zum Arbeitsamt wegen einer Umschulung.
Da wurde mir mitgeteit, das ich 1 Jahr zu alt dafür wäre.
ZU ALT!!! - Ich war doch erst 45 Jahre!!!!
Es wurde mir eine Schulung mit anschließendem mehrmonatigem Praktikum angeboten.
Den Sinn der Schulung habe ich bis heute nicht verstanden, die anderen Teilnehmer wohl auch nicht.
Aber Egal - es gab Geld und ich hatte noch Zeit für den Shop.
Und es verlängerte den Anspruch auf Arbeitslosengeld - gaaanz Wichtig!
Jeder Monat mit Geld zählt.

Ich entschied mich, das Praktikum bei einer Videotheken-Kette zu absolvieren, in der Hoffnung mehr über Filme zu lernen.
Ich hielt das aber nur 2 Wochen durch, da ich den ganzen Tag stehen musste - es gab da tatsächlich keine Stühle.
Mein Rücken völlig im Arsch!
Ich war wahrscheinlich auch der älteste Praktikant, den eine Videothek je gesehen hatte.
Ansonsten sind das ja meist junge Menschen.
Also mal wieder schlapp gemacht - wieder mal versagt!

Die Maßnahme wurde abgebrochen - ich meldete mich Krank.
Nach wenigen Wochen wurde ich gesund geschrieben, da man ja mit Rückenproblemen andere Tätigkeiten ausüben kann.
Ja welche denn???
Ich wußte keine!
Ich wußte nur, das langsam auch die 600 Euro vom Amt zu Ende gehen.
"Harzer König werde ich nicht! - schwor ich mir.
Und meine Mutter weiterhin belasten - das geht ja gar nicht!!!

Mitllerweile war ich bei mehreren Bekannten und Händlern verschuldet, da das Geld natürlich nicht reichte.
Ich hatte ja auch Investitionen und Kosten, und Toni bekam auch immer mal nen 20iger oder nen Fuffi zugeschickt.

Einmal mußte ich nach Flensburg als Zeuge vor Gericht.
(Ich hatte ca. 2 Jahre vorher gesehen wie ein Typ eine Frau verprügeln wollte und bin dazwischen gegangen)
Der Angeklage kam nicht, und so wurde ich entlassen - bekam aber Fahrkosten für die 1000 km hin und zurück direkt ausgezahlt.
Es waren wohl um die 300 Euro.
Ich den Toni angerufen und im Mitgeteilt, das ich jetzt meinen Kombi mit Lebensmitteln vollpacke und ihn besuchen werde.
Toni war auch Raucher - und im Harz 4-Satz ist das nicht vorgesehen.

Ich füllte im Penny-Markt 2 ganze Einkaufswagen mit allem was der Markt zu bieten hatte.
200 Euro hatte ich nun weniger.
Aber das Gesicht von Toni werde ich nicht vergessen, als er in den Kofferaum schaute.
Das war es mir wert, da wir mittlerweile gute Freunde und Leidensgenossen waren.
Ich blieb einige Stunden und fuhr dann wieder zurück Richtung Kassel.

Herbst 2010
das Arbeitslosengelt neigt sich dem Ende.
Mittlerweile habe ich sogar schon 3 oder 4 Bestellungen im Shop gehabt.
Bin erstaunt, das sich was tut.
Aber mit 100 Euro Umsatz kommt man ja nicht weiter.
Es mußte ein Plan her, den in wenigen Wochen habe ich kein Geld mehr.

Nach mehreren Telefonaten stellte mir ein Bekannter einen ungenutzen Raum kostenfrei im hohen Norden zur Verfügung.
(Ich erwähne bewusst keine Örtlichkeit!!!)
Ich regelte den Umzug, verabschiedete mich von meinen Eltern, und fuhr mit meinen bisschen Hab und Gut, einen Fahrrad und meinem besten Kumpel aus Kassel in Richtung Norden.
Dort angekommen übernahm ich einen Palast von ca. 14 qm, in welchem ich nun wohnen und arbeiten wollte.
Prima - ich hatte Strom, Heizung, Licht und Internet - mehr brauche ich auch nicht.
Ich hatte kein Bett - sondern (mal wieder) eine olle Klappliege.
Immer noch besser als in jedem Truck - dachte ich mir.

Den Opel schnell ausgeräumt und die Schlüssel samt Papiere meinem besten Kumpel übergeben.
Er fuhr dann damit zurück nach Kassel und ich hatte keine Schulden mehr bei ihm.

Da ich in den 14 qm kein Wasser und auch keine Toilette hatte mußte ich improvisieren.
Duschen konnte ich im ca. 8 km. entfernten Autohof. (dafür das Fahrrad)
Wie ich Toilettengeschäfte regelte erläutere ich hier besser nicht - da können Sie Ihrer Fantasie freien Lauf lassen.

Ich fasse mal zusammen:
Keine richtige Wohnung - Kein Geld - Kein Auto!
Kein Harz 4 -Empfänger würde mit mir tauschen wollen!

Mein Motto ab sofort:
Du schaffst es jetzt oder Du verreckst.
Nur 1-Mal im Leben etwas durchziehen - nur 1-Mal!!!
Ich war wie besessen davon.
Ich hätte voller Stolz in den Spiegel schauen können - hatte aber keinen.


Sobald ich wieder Energie habe und innere Ruhe schreibe ich weiter - unter MP-3 zu finden - aber auch nur Auszüge davon

Hinweis:

Ich hatte schon immer vor ein Buch in Form meiner Lebensgeschichte zu schreiben.

ich nehme diese Geschichte jetzt dazu, und es fühlt sich an wie eine kleine Zeitreise.

Ich versichere hiermit, das alle Angaben echt sind.

Angaben, welche ich nicht machen möchte lasse ich einfach weg.

Es muss nicht jeder alles wissen!!!

(Da alles sehr viel ist und schon einige Zeit zurück liegt, schließe ich aber kleine Fehler nicht aus)

 

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